Montag, 30. November 2020

Fidelity Elegance - klein & fein

Laut Wikipedia hat der Fidelity Elegance einen Eintrag in der "Hall of Fame": Es ist das kleinste Vollholz Magnetsensorbrett der Welt. Die Außenmaße und Umrandung sind identisch zum Sensory 12, statt der Metallplatte und Drucksensoren wurden beim Elegance gut ansprechende Reed-Kontakte und 64 Feld-LEDs in einem schönen Schachfeld aus Holz verbaut. Den Schachfiguren hat man einen dicken, starken Magnetsockel spendiert, so dass man beim Setzen der Figuren etwas aufpassen muss, sonst hat man direkt 2-3 Stück in der Hand😄. Das Schachprogramm ist leicht an der alternierend aufleuchtenden Anzeige der YOUR MOVE - CHECK LEDs zu erkennen; eindeutig das Glasgow-Programm.

Um dies zu untermauern hier ein paar Stellungen aus dem Colditz-Test zum Vergleich. Wie man sieht passt der Zeitabstand gut, wie auch bei allen anderen Stellungen des Colditz-Tests.

Colditz Nr. 11: ...Dxf4

Prestige Glasgow 4MHz = 04:32 Min. -  Elegance 3,6MHz = 04:50 Min.

Colditz Nr. 12: ...Td1

Prestige Glasgow 4MHz = 06:14 Min. - Elegance 3,6MHz = 06:37 Min.

Colditz Nr. 20: Sf6+

Prestige Glasgow 4MHz = 05:59 Min. - Elegance 3,6MHz = 06:29 Min.


Eine Besonderheit an meinem Elegance befindet sich am seitlichen Modul-Slot. Dort ist ein Schalter angesetzt, mit dem der Ton an/ausgeschaltet werden kann. Natürlich lässt sich dies auch über die Optionen einstellen, aber anscheinend wollte man es schneller und einfacher haben. Leider wusste der Vorbesitzer keine Einzelheiten dazu, ob dieser Elegance ab Werk so verkauft wurde. Ich werde über einen Fachmann prüfen lassen, inwieweit dadurch der Einschubschacht noch für Eröffnungsmodule nutzbar ist. Den Namen trägt der Fidelity jedenfalls zu recht - klein und fein.

Donnerstag, 19. November 2020

Das mysteriöse Fidelity F-Book

Ein Prunkstück meiner Sammlung ist ein Fidelity Elite A/S Glasgow der Firma RCS. Gegründet Ende 1985 vom ehemaligen Geschäftsführer von Fidelity Deutschland Peter Reckwitz und spezialisiert auf Tuning der Fidelity Geräte. Der abgebildete Glasgow wurde auf 8 MHz Speed gebracht und zusätzlich das seltene Grandmaster Book mit der Enzyklopädie der Schacheröffnungen installiert. Wie im Informator teilen sich diese auf nach ECO-Codes von A-E, ursprünglich in 5 einzelne Module mit insgesamt rund 73.000 Halbzügen. Um die Nutzung zu vereinfachen, wurden die kompletten GM-Books im Glasgow verbaut. Mittels Drehschalter kann man jedes Book einzeln ansteuern von A-E mit automatischen Querverweisen innerhalb der Eröffnung. Einen Wechsel erkennt der Fidelity sofort und zeigt im Display das entsprechende Book an, auf welches man nach kurzer Stromunterbrechung dreht. Eine schöne Sache!

Schaut man genau hin, sieht man auf dem Glasgow eine zusätzliche Rasterung mit "F" gekennzeichnet. Dahinter verbirgt sich ein separates Eröffnungsbuch ohne Verbindung zu den GM-Books. Lange war ich irritiert was es mit diesem "F-Book" auf sich hat, doch durch einen Thread im Hiarcs-Forum von Gerhard Vetter ist dieses Rätsel eventuell gelöst. Das F-Book spielt mit Weiß IMMER 1.e4 und als Schwarzer gegen 1.e4 c5 - da liegt die Vermutung nahe es könnte sich um das nie erschienene Sicilian Variation Modul handeln. Sofort machte ich mich an Tests, die aber schnell zeigten: Es sind nur wenige Varianten im Sizilianer wirklich tief gespeichert. Als Weißer kommt aktiv Rossolimo oder Najdorf aufs Brett, mit Schwarz meist die beschleunigte Drachenvariante.

Beschleunigte Drachenvariante (als Schwarzer): 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 g6 5.Sc3 Lg7 6.Le3 Sf6 7.Lc4 Da5 8.0-0 0-0 9.Lb3 d6 10.h3 Ld7 11.f4 Sxd4 12.Lxd4 Lc6 13.Sd5 Tfe8 14.Lxf6 Dc5+ 15.Kh2 Lxd5 16.Lxg7 Lxb3 17.Lc3 Lc4 18.Tf3 Tad8 Buchende +0,30 Bewertung LV3

Rossolimo-Variante (als Weißer): 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 e6 4.0-0 Sge7 5.c3 a6 6.Lxc6 Sxc6 7.d4 d5 8.e5 Le7 9.Te1 0-0 10.Sbd2 Ld7 11.Sf1 Buchende +0,23 Bewertung LV3

Najdorf (als Weißer): 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.f4 e5 7.Sf3 Dc7 8.Ld3 Le7 9.0-0 0-0 10.De1 Sbd7 11.Kh1 b5 12.fxe5 dxe5 13.Lg5 b4 14.Sd5 Sxd5 15.exd5 Ld6 16.Sh4 Sc5 17.Lf5 f6  18.Le3 a5 19.Lxc8 Tfxc8 20.Sf5 Lf8 21.Dg3 Se4 22.Dg4 Dxc2 23.Tac1 Dd3 24.Se7+ Buchende

Weitere tief gespeicherte Abspiele:

Scheveninger: 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e6 6.Le2 a6 7.0-0 Dc7 8.f4 Sc6 9.Le3 Le7 10.De1 0-0 Buchende

Löwenthal: 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e5 5.Sdb5 a6 6.Sd6+ Lxd6 7.Dxd6 Df6 8.Dd1 Dg6 9.Sc3 Sge7 10.h4 h5 11.Lg5 d5 12.dxe5 Buchende

Schaut man sich seltenere Abspiele an, so fallen diese recht kurz aus mit teilweise seltsamen Zügen. So sieht m.E. kein komplettes Repertoire für Sizilianisch aus, es scheint mir eher eine Art "Spezialbuch für Computerturniere" zu sein. Man versucht bestimmte Varianten zu vermeiden und falls sie doch aufs Brett gelangen den Gegner schnell aus dem Buch zu werfen.

Alapin: 1.e4 c5 2.c3 a6?! 3.Sf3 (Theorie) und Buchende. Spielt das F-Book Alapin komplett alleine folgt nach 2.c3 a6 3.Sh3?! Sh6?! 4.De2 a5 Buchende +0,34 Bewertung LV3

2.e6 Variante: 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.Tg1? Buchende

Morra-Gambit: 1.e4 c5 2.d4 cxd4 3.c3 dxc3 4.Sxc3 Sc6 Buchende -0,45 Bewertung LV3

Geschlossener Szilianer: 1.e4 c5 2.Sc3 Sc6 3.g3 g6 4.Lg2 Lg7 5.d3 d6 6.Le3 Buchende +0,09 Bewertung LV3

Sveschnikov: 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 Buchende +0,23 Bewertung LV3

So weit zu Sizilianisch. Wahrscheinlich hat man für das "F-Book" die Dateien vom geplanten "Sicilian Variation" Modul verwendet hat. So konnte man diese wenigstens noch verwenden. Eventuell ist das "F-Book" auch unter Mitwirkung vom Eröffnungsspezialisten Boris Baczynskyi entstanden, der von 1982-84 bei Fidelity unter Vertrag stand. Genaueres werden wir wohl nicht mehr erfahren.

Das F-Book bietet aber nicht nur Sizilianisch; es ist ein vollwertiges Eröffnungsmodul für 1.e4 als Weißer und für diverse Eröffnungen als Schwarzer. So spielt es z.B. gegen 1.d4 gerne Holländisch oder gegen 1.f4 auch mal das Froms Gambit. Auf jeden Fall eine Bereicherung in der Fidelity Sammlung. 

Donnerstag, 31. Januar 2019

Der Titan von CXG

Bei "Titan" fällt einem natürlich der Ex-National- und Bayern-Keeper Olli Kahn ein, der diese Bezeichnung für sich gepachtet hat - und notfalls auch vor Gericht erstreitet;) Doch hier geht es um den Schachcomputer von CXG: den Sphinx Titan.

Was ist denn so besonders an diesem Gerät? Selten? Nein. Teuer? Auch nicht. Und das Schachprogramm? Das bekannte Danielsen 16K-Prog. was zB auch im Super Enterprise steckt. Warum dann eine besondere Erwähnung? Weil es m.E. ein unterschätztes und zu wenig beachtetes Schachprogramm ist und im Gehäuse des Titan seine schönste Umgebung gefunden hat. Optisch ähnlich dem Kult-Compi Dominator (ja, auch der Titan "wackelt"😆) und mit zwei Displays ausgestattet. Leider nur deren 16 Rand-LEDs statt auf jedem Feld eine wie beim "Domi". Mitte der 80er Jahre zählte Danielsen mit seinem 16K-Prog zu den stärksten in der Kategorie Preisbomber. Vor allem taktisch zeigt der Titan gerne mal seine Krallen, während er im Endspiel stark abfällt. Der 8MHz Quarz lässt sich meist problemlos tunen durch einen schnelleren Baustein - so auch in meinem Gerät. Im U1700-Turnier belegte dieser den 3. Platz mit einer Turnierperformance von 1755 ELO und hält auch im aktuellen U1800 gut mit.

Hier eine Partie aus dem aktuellen U1800-Turnier:

CXG Sphinx Titan 4MHz - Mephisto III-S Glasgow
1. e4 e5 2. Bc4 Nf6 3. d3 c6 4. Qe2 Be7 5. Bb3 O-O 6. Nf3 d6 7. O-O Qb6 8. Be3
c5 9. Nc3 Nc6 10. Na4 Qa6 11. Nc3 Qb6 12. Bd2 Be6 13. Nd5 Bxd5 14. exd5 Nb4 15.
c4 Nxd3 16. Qxd3 e4 17. Qe3 exf3 18. Qxf3 Nd7 19. Qh3 Ne5 20. Bc2 h6 21. b3 Bf6
22. Qf5 Ng6 23. Rae1 Qa6 24. Bb1 b5 25. cxb5 Qc8 26. Qxc8 Rfxc8 27. Bxg6 fxg6
28. Re6 Rab8 29. a4 a6 30. Rxd6 axb5 31. axb5 Rxb5 32. Rb1 c4 33. Bxh6 Rxb3 34.
Rd1 gxh6 35. Rxf6 Rd3 36. Rc1 Kg7 37. Rd6 Rc5 38. Rd7+ Kf6 39. Kf1 c3 40. Ke2
Rd4 41. d6 Ke6 42. Rc7 Rd2+ 43. Kf1 Kxd6 44. Rxc5 Kxc5 45. Rxc3+ Kd5 46. Rc8
Ke4 47. Rh8 h5 48. Re8+ Kf5 49. Ke1 Ra2 50. Re7 g5 51. Rh7 Kg6 52. Rh8 h4 53.
Rg8+ Kf5 54. Re8 Kg4 55. Rd8 h3 56. Rd4+ Kh5 57. gxh3 Kg6 58. h4 Ra1+ 59. Ke2
Ra2+ 60. Kf3 Ra3+ 61. Kg4 gxh4 62. Rd6+ Kf7 63. f4 Ra5 64. Kxh4 Ke7 65. Rh6 Kf7
66. Kg4 Kg7 67. Re6 Ra1 68. f5 Rg1+ 69. Kf4 Rh1 70. Kg3 Rf1 71. Rg6+ Kf7 72.
Kg4 Rg1+ 73. Kh5 Rf1 74. Kg5 Rg1+ 75. Kh6 Rf1 76. Rg5 Kf6 77. h4 Rxf5 78. Rxf5+
Kxf5 79. h5 Kf6 80. Kh7 Kf7 81. h6 Kf8 82. Kg6 Kg8 83. Kf5 Kh7 84. Kg5 Kh8 85.
Kh4 Kh7 86. Kh5 Kh8 87. Kg4 Kh7 88. Kh5 Kh8 89. Kg4 Kh7 90. Kg5 Kh8 91. Kh4 Kh7
92. Kg5 1/2-1/2


Besonderheiten sind neben der netten Einschaltmelodie die vier verschiedenen Spielstile. Von
positionell über normal und aggressiv bis Desperado! Wer sich die Mühe macht, kann das Programm je nach Spielphase (Eröffnung/Mittelspiel/Endspiel) optimal einstellen und experimentieren. Für eine komplette Partie gilt aggr. als stärkste Waffe. Der Däne Danielsen hat sein 4K und 16K Programm zwar über Jahrzehnte immer wieder neu vermarktet, doch es nie auf eine schnellere Hardware portiert. Wer weiß wo es in der ELO-Liste stehen würde mit HashTables und einem 16Bit-Prozessor.

Montag, 19. November 2018

Millennium Exclusive - Richard Lang zum Dritten

Sie hatten es wieder getan. Millennium hatte zum dritten Mal die Chess Genius Engine von Richard Lang in einen Schachcomputer gepackt. Nach dem ersten Wurf Millennium ChessGenius kam schnell der optisch fast identische, mit etwas mehr MHz ausgestattete ChessGenius Pro. Nun hatte man, auf mehrfachen Wunsch, endlich eine luxuriösere Variante kreiert, den Millennium Exclusive. Nur - leider eben wieder mit der selben Engine. Hier hatten sich die meisten User eine Engine von anderen namhaften Programmierern gewünscht. So weit der Stand aus 2017.

Genau aus diesem Grunde blieb ich anfangs zurückhaltend. Schon der CG Pro konnte mich nicht erwärmen. Warum ich nun doch zugeschlagen habe? Zuerst waren es nur Gerüchte das ein De Koning-Programm erscheinen soll für die Kiste. Offen anfangs auch, ob es ein reines Software-Update oder mit komplett neuer Hardware ausgestattet wird. Gut, diese Infos sind seit Anfang 2018 heraus und spätestens zum Weihnachtsgeschäft wird das optisch an den TASC R30 angelehnte The King Element ausgeliefert werden. Doch das wird eine andere Geschichte.

Nun zum jetzigen Exclusive mit ChessGenius. Nochmals wurde die Hardware verbessert, was max. 50-70 ELO Punkte gegenüber dem CGPro geben dürfte. Das flache Schachbrett mit 81 LEDs und Figurenerkennung ist sehr gefällig, mit 40x40cm in den klassischen Maßen des Mephisto Exclusive Bretts. Die LEDs haben eine sagenhafte Leuchtkraft, wenn alle zum Testlauf blinken ist man schon leicht "geflasht"😳. Die Bedieneinheit des "MCGE" fällt dagegen optisch spartanischer aus und erinnert mich eher an eine Nintendo DS Konsole. Das Punktmatrixdisplay wirkt etwas grob gerastert, aber vielleicht hatte Millennium einfach nur ein Herz für die sehschwächeren BestAger😆...haha. Man gewöhnt sich jedenfalls schnell daran. Die Bedienung selber ist für jeden der die früheren Lang-Module von Mephisto kennt ein Kinderspiel. Bislang musste ich erst 1x das Handbuch konsultieren, um das Prozedere für ein Software-Update zu eruieren.

Updates gab es schon in mehrfacher Form. Neben einem PGN-Tool und weiteren Büchern, hatte man sich der Beschwerden über die immer gleiche Engine angenommen. So hat Richard Lang wirklich nochmal Hand angelegt. Seit Frühjahr 2018 gibt es das Firmware C23 als Download mit einer veränderten ChessGenius-Engine. Vornehmlich im Endspiel soll diese verbessert agieren, in manchen Stellungsbildern im Mittelspiel auch langsamer sein. Nun gut, es geht ja hier mehr darum überhaupt eine separate Engine für diesen Schachcomputer zu nutzen. Die Politik der kleinen Schritte scheint sich für Millennium bezahlt zu machen.

Im praktischen Spiel agiert der MCGE mit dem Buch Klassisch wohl erfolgreicher, da die Varianten besser zu seinem Spiel passen. Das Meister-Buch ist breiter angelegt, bietet dadurch mehr Varianz.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Ein Steinitz im Höhenflug

Die Großmeister-Serie von Applied Concepts ist bei Sammlern sehr beliebt. Über das Master Chess Trio mit seinen drei Modulen Gruenfeld, Morphy und Capablanca habe ich bereits berichtet. Als letzte Entwicklung in dieser Linie kam 1983 die Steinitz Edition-4 auf den Markt, programmiert von Larry Atkin, der in den 70er Jahren zusammen mit David Slate mehrere Turniere und die WM 1977 für Großrechner gewinnen konnte.

Mit dem Steinitz Modul konnte man endlich den Denkprozess des Computers einsehen. Hauptvariante, Stellungsbewertung, Tiefe etc., ein Komfort den man bislang bei AC nicht kannte. Dafür musste man immer noch auf ein Sensorbrett verzichten und die Züge per Tastatur eingeben. Das größte Manko war aber die alte Hardware der Great Game Machine: Diese war "nur" mit 2 MHz getaktet, seitdem sie in Form des MGS 1979 noch unter dem Vertrieb von Chafitz erschien. Deshalb hatte man die Steinitz Edition-4 - Nomen est Omen - bereits für eine 4 MHz Version der GGM vorbereitet, es fehlte nur noch das neue Grundgerät. Wie wir heute wissen ist es niemals auf dem Markt erschienen, da AC die Produktion einstellte.

Suchtiefe 7
Es sollte mehr als 25 Jahre dauern, bis dies Realität wurde. Im Jahr 2009 schaffte es der Brite Steve Braid eine neu gefertigte Steinitz Platine mit 4 MHz zu konstruieren unter dem Namen Steinitz Encore. Für einen Umbau brauchte man nur ein (defektes) MGS, GGM oder Morphy Encore mit einer Order einsenden und erhielt ein neues Steinitz mit 4 MHz laufend zurück. In ersten Turnieren zeigte sich aber, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen und Steve legte nochmal nach mit:
  • Steinitz Encore 20 MHz
Ein Hammer! Mit dieser Power ausgestattet gelangt der Steinitz in die Klasse der Besten aus seiner Zeit. Eine ELO-Zahl für dieses Kraftpaket gibt es zwar noch nicht, meine Vermutung ist es sollte sich bei ca. 1800 ELO einpendeln. Im Aktivschach-Turnier U1800 Mittelklasse II darf der "Turbo Steinitz" zeigen was er drauf hat.

Freitag, 26. Januar 2018

Yeno: Schachcomputer aus Frankreich

Schon mal Yeno gehört? Ein ehemaliger französischer Hersteller von Elektronikartikeln, der hierzulande relativ unbekannt ist. Selbst im Netz findet man wenig Informationen. Die Produktpalette umfasste allerlei Spiel- und Lerncomputer für Kinder und Jugendliche - darunter auch ein paar Schachcomputer. Ende der 80er versuchte man sich auf dem Markt und blieb relativ unauffällig. Bereits Mitte der 90er war Schluss mit dem Engagement, so dass es max. zehn Schachcomputer zur Serienreife brachten. Eine gute Übersicht findet man unter Yeno in der Datenbank von Hein Veldhuis.

Die meisten Modelle waren mit dem 4K-Programm des Dänen Kaare Danielsen ausgestattet, dementsprechend schwach und relativ günstig. Herausstechend sind für mich zwei Modelle, die sich an den durchschnittlichen Schachspieler richteten und von namhaften Programmierern stammen:
Neues Spiel
Der Yeno 532 XL hat ein Drucksensorbrett und 64 Feld LEDs - in diesem Preissegment eher selten anzutreffen - dazu zwei kleine LCD Anzeigen. Das Schachprogramm dürfte ein naher Verwandter des Mephisto MM II sein. Ein Vergleich von Lösungszeiten im Colditz-Test belegt das, allerdings ist der 532 XL immer einen Tacken schneller als der MM II. Taktisch sind die Rathsman-Progs recht stark, positionell eher mau. Die Stellungsbewertung im Display braucht man gar nicht erst bemühen, es ist für die Katz. Es werden lediglich die Unterschiede der reinen Figuren angezeigt, keinerlei Dynamik oder Position in der Bewertung.

Der Yeno 416 XL trägt den Zusatz Partner & Tutor. Neben dem reinen Schachprogramm, einem Ableger des Mephisto Europa, sind 320 Schachaufgaben vorhanden. Pro Aufgabe werden Punkte vergeben zur Einstufung der eigenen Spielstärke. In einem dreisprachigen, fetten DIN A4 Buch werden dem Anfänger die Schachregeln und einfache Grundmotive erklärt. Die Übungen folgen im Anschluss und werden sukzessive schwerer.

Warum (fast) alle Yeno Schachcomputer das Kürzel "XL" führen hat sich mir nicht erschlossen. Wahrscheinlich reiner Marketing-Gag. Ein XS bis M hätte den Yenos besser zu Gesicht gestanden, legt man die Spielstärke zugrunde.


Sonntag, 31. Dezember 2017

U1700 Mittelklasse Turnier

Novag Quattro vs. Mephi III
Nach den ELO-Niederungen der Deep Depp-Turniere ging es nun in Regionen wo man zum ersten Mal akzeptables Schach geboten bekommt. Allgemein wird dieser Bereich als Vereinsspielerniveau bis Bezirksliga angegeben. Bei Schachcomputern bedeutet U1700: Hier wird auch mal eine schöne Kombination gefunden, manchmal auch Ansätze von Positionsspiel. Die Schwächen im Endspiel bleiben trotzdem vorhanden, ebenso wie taktische Patzer durch Horizont-Effekte.

Gespielt wurde wie gewohnt mit Stufe 30Sek./Zug average. Für eine Turnierteilnahme galten folgende Kriterien: Bekannte Klassiker wie die Steinitz Edition oder den Weltmeister von 1980, Fidelity Sensory Champion. Dickschiffe, sprich große Holzbretter, wie die CXG Sphinx 50, dazu viele noch wenig in Turnieren getestete Schachcomputer (zB Novag Constellation Quattro, Fidelity Septennial) und getunte Compis, so wie der bereits werksseitig bei Mephisto produzierte Mephisto III Special auf 12 MHz laufend. Auch auf den Chafitz Sargon ARB 3.5 12 MHz war ich sehr gespannt. Garniert wurde alles mit ein paar Exoten, so ein russischer Elektronika IM-05 und...natürlich...den Aufsteigern aus dem U1500 ELO-Turnier.

Conchess Ambassador 2MHz vs. Superstar 36K
Eins vorweg: Die Aufsteiger blieben erwartungsgemäß in dieser Klasse in der unteren Tabellenhälfte, doch die rote Laterne hatte keiner von Ihnen inne. Diese erhielt - für mich überraschend - der SciSys Superstar 28K. Das Turnier lief vollkommen an ihm vorbei und es hagelte Niederlagen. Seine Turnierperformance von 1325 ELO lag um Längen hinter den 1570 ELO in der Wertungsliste. Doch sowas kann in Turnieren immer passieren.

An der Spitze zog ein Mitfavorit vorne weg. Der Fidelity Super 9 - im Turnier als Version Sensory Champion mit Super 9 Upgrade von Fidelity - hatte nach 7 Runden 100% Punktausbeute. Erst in den letzten beiden Runden musste er Federn lassen, doch Platz 1 wurde gehalten. Ein schöner und wichtiger Sieg war in Runde 4 gegen das getunte 16K-Danielsen-Programm, CXG Sphinx Titan 4MHz (alias Super Enterprise):

Fidelity Super 9 - CXG Sphinx Titan 4MHz

1. d4 Nf6 2. c4 e5 3. dxe5 Ng4 4. Bf4 Nc6 5. Nf3 Bb4+ {letzter Buchzug Sphinx
Titan 4MHz} 6. Nc3 Qe7 7. Qd5 Bxc3+ 8. bxc3 {letzter Buchzug Fidelity Super 9}
Qa3 (8... f6 9. exf6 Nxf6 10. Qd3 d6 {ist die Hauptvariante}) 9. Qd2 Qc5 10. e4
Qa5 11. Be2 Ngxe5 12. Nxe5 Nxe5 13. Rb1 c6 {besser Pd6} 14. O-O O-O 15. Be3 $1
{bereitet Pf4 vor} f5 $6 {öffnet die eigene Königsstellung zu stark} 16. exf5
Rxf5 17. f4 Ng6 18. Bd3 Rf6 $2 19. f5 {etwas zu früh} (19. Bd4 $1 Rf7 (19...
Rf8 20. f5 $1 Ne5 21. f6 g6 22. c5 $1) 20. Rbe1 Qd8 21. f5 $1) 19... Ne5 20.
Be2 Rf7 $6 21. Bh5 Nxc4 $2 {Sphinx Titan opfert den Turm} 22. Bxf7+ Kxf7 23.
Qd4 Nxe3 24. Qxe3 Qxa2 $2 {Dies war die Variante bei der Berechnung des
Turmopfers. Er bekommt dafür Läufer + 2 Bauern. Das Schwarz vollkommen
unterentwickelt ist und Weiß sogar Matt setzen kann, können beide Kontrahenten
nicht erkennen, da viel zu tief liegend.} 25. Ra1 Qb3 26. Rfb1 Qc2 {+0,08
Sphinx Titan 4MHz} 27. Re1 $1 g6 $2 28. fxg6+ hxg6 29. Re2 Qb3 30. Qf2+ Kg7 31.
Re7+ Kg8 32. Re8+ {mit Mattanzeige} Kh7 33. Qh4+ Kg7 34. Qh8+ Kf7 35. Rf1# 1-0

Apropos CXG, selten genug sieht man die Schachcomputer dieser Marke um einen Turniersieg mitspielen, aber in diesem U1700 waren es direkt drei Stück die permanent oben in der Tabelle rangierten. Am Ende landeten sogar alle auf den Aufstiegsplätzen. Insbesondere die Sphinx 50 hatte es mir angetan. Sie spielte das komplette Tunier mit Stil 6 = leicht aggressiv. Die Sphinx Titan war ebenfalls auf AGGr voreingestellt.

Zu meinem Bedauern blieb der doppelt schnelle Mephisto III Special in unteren Regionen hängen. Dieses Mal hatte er kein Turnierglück, ganz im Gegensatz zu seinem Einsatz in Klingenberg 2016. Auch der Fidelity Septennial blieb etwas hinter seinen Möglichkeiten, immerhin kämpfte er sich zum Schluss auf Platz 7 mit einer wilden Partie: Excalibur Alexandra - Fidelity Septennial, Runde 9.

Fidelity Septennial
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Nf6 4. Ng5 d5 5. exd5 Na5 6. Bb5+ c6 7. dxc6 bxc6 8. Be2 h6 9. Nf3 e4 10. Ne5 Bd6 11. d4 exd3 12. Nxd3 O-O 13. O-O Bf5 14. Nf4 Qb8 15. g3 Bxf4 16. gxf4 Bh3 17. Re1 Qb4 18. a3 Qe4 19. Bf3 Qg6+ 20. Kh1 Bf5 21. Re2 Rad8 22. Qe1 Nc4 23. Bxc6 Bxc2 24. Nc3 Nh5 25. Bd5 Nb6 26. Bf3 Bd3 27. Re7 Nc8 28. Re5 Nf6 29. Bd2 Nd7 30. Ra5 Ndb6 31. b3 Rfe8 32. Be3 Bc2 33. Rb5 Nd6 34. Rb4 Nf5 35. Bg2 Qe6 36. Bh3 Qc6+ 37. Kg1 Nh4 38. Rxb6 axb6 39. Qe2 Nf3+ 40. Kh1 Nd4+ 41. Bg2 Qxc3 42. Qf1 Qxb3 43. a4 Nf5 44. a5 Nxe3 45. fxe3 bxa5 46. Qf2 Rxe3 47. Rxa5 Rd1+ 48. Bf1 Be4+ 49. Kg1 Rxf1+ 50. Qxf1 Rg3+ 51. hxg3 Qxg3+ 52. Qg2 Qxg2# 0-1


Wer Interesse hat das gesamte Turnier nachzuverfolgen: Auf Schachcomputer.info befindet sich ein Thread zum U1700-Turnier. Hier die Abschlusstabelle:

Sargon ARB 3.5 12 MHz



Little Chesster
Remis