Mittwoch, 21. Januar 2015

Die Rückkehr des Sargon ARB 4.0 + 3.5

Die Legende ist zurück! Anno 1980 brachte die Firma Chafitz einen Meilenstein der Schachcomputergeschichte auf den Markt: den Sargon ARB 2.5.

Der erste Schachcomputer in Turnierbrettgröße - der erste Schachcomputer mit Vollholzausstattung - der erste Schachcomputer mit einem "Auto Response Board", sprich Magnetsensoren zur Zugübertragung. Diese Technik sollte ein Jahrzehnt das Nonplusultra sein und wurde erst durch die automatische Figurenerkennung bei Mephisto Bavaria und TASC Smartboard verbessert.

Zu solch einem eindrucksvollen Stück, gehörte natürlich auch ein ebensolches, starkes Schachprogramm. Im Jahre 1980 war dies das erste Schachprogramm des Programmiererpaars Spracklen mit einem 8 Bit Prozessor auf 2 MHz laufend, was für das Sargon 2.5 Modul eine ELO von ca. 1500 bedeutete. Für ein Jahr lang war es der mit Abstand stärkste Schachcomputer der Welt.

Die Spracklens wechselten dann zu Fidelity Electronics und erwarben kurz darauf vom Hersteller des ARB - der Firma AVE Micro Systems - die Rechte an diesem eindrucksvollen Brett, um ab 1982 den Fidelity Prestige zu verkaufen. Einem leicht veränderten Sargon ARB, erweitert um ein LED Display.

Das originale "Sargon Auto Response Board" verfiel in einen Dornröschenschlaf. Es wurden noch weitere Module angeboten, von dem fehlerhaften Sargon 3.0 über die verbesserte Version Sargon 3.5 und schlussendlich das Sargon 4.0 Modul - wieder mit Spracklen Programm. Die eingebaute Technik blieb allerdings die Alte und war nicht mehr konkurrenzfähig.

Kehren wir zurück ins 21. Jahrhundert. Dank eines Tüftlers aus England, sind die seltenen Module 4.0 und 3.5 wieder auferstanden, in Form von neuen Platinen mit bis zu 20 MHz. Dabei ist das "neue" Sargon 4.0 zu einem mächtigen Gegner geworden. Im bekannten Colditz Taktik Test stößt es in die Bereiche eines Mach III vor und erzielt 1775 Punkt, umgerechnet = 1988 ELO. Ein Beispiel gefällig?

Colditz Test Aufgabe 11: ...Dxf4 in 01:20 Minuten; Sargon ARB 4.0 16MHz
Colditz Test Aufgabe 20: Sf6+ in 02:44 Minuten; Sargon ARB 4.0 16MHz

Insgesamt liegt die 16MHz-Version des Sargon 4.0 in der Wiki Aktiv Liste bei aktuell 1925 ELO. Während das Programm taktisch stark ist und einen offensiven Spielstil pflegt, hinkt es positionell hinterher. Da hilft auch keine zusätzliche Power. Wer sich einen Überblick vom Spiel des Sargon 4.0 machen möchte, schaut am besten in das Online Oldie Turnier 2012. Mit 8,5 Punkten aus 14 Spielen landete er auf Platz 4.

Mephisto Mega IV - Sargon ARB 4.0 16MHz = 0 : 1



Der rätselhafte Sargon 3.5

In großen Stückzahlen wurde der Sargon ARB nur mit dem Modul 2.5 verkauft, wie oben beschrieben ein hinlänglich bekanntes Programm von den Spracklens. Alle später erschienenen Module sind höchst selten im Original anzutreffen. Historiker Hein Veldhuis hat in seiner Datenbank wissenswertes zu den anderen Modulen zusammengetragen.

Sargon 3.0: Vertrieben von Applied Concepts (Sandy Electronics in Deutschland) und veröffentlicht im Dezember 1981 mit einem Programm von John Aker. Leider scheint dieses Modul einige Fehler zu haben (Leveleinstellungen?) und schnitt in Tests vom Holländer Jan Louwman schlechter als sein Vorgänger Sargon 2.5 ab.

Sargon 4.0: Wurde vom deutschen Vertrieb Sandy Electronics ab Sommer 1984 angeboten. Wie oben geschrieben ebenfalls ein Programm der Spracklens, mit Ähnlichkeiten zum Elite A/S Budapest/Glasgow.

Und Sargon 3.5? Nichts genaues weiß man! Sicher ist, dass es eine fehlerbereinigte Version als Nachfolger zum Modul 3.0 war, doch ob hier auch noch John Aker hauptverantwortlich war? So behauptete Jan Louwman in seinem Buch "Schaakcomputers in opmars" es handelte sich um das Spracklen Programm vom Fidelity Champion. Eine konkete Info wurde mir kürzlich durch den Sammler Steve Blincoe übermittelt, der einer der wenigen Besitzer eines Original Sargon 3.5 Moduls ist. Anscheinend existiert keine gesonderte Bedienungsanleitung, nur ein Addendum mit Hinweis auf holländische Programmierer, die die Bugs der 3.0 Version behoben haben.

Doch machen wir die Probe aufs Exempel. Es folgen zwei Partien aus einem U1700 Turnier bei Schachcomputer.info.

Chafitz Sargon ARB 3.5 12MHz - Mephisto III Special 12MHz [C84]
MK I U1700  (5), 2016

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0–0 Buchende Sargon 3.5 12MHz 5...b5 6.Lb3 Lb7 7.d3 Le7 Buchende Mephisto III Special 12MHz 8.Sc3 b4?! 9.Sd5 0–0 10.a3 bxa3 11.Sxe7+ Dxe7 12.Txa3 Dc5?! 13.Le3 De7 14.Sg5 Tab8 15.c3 d6 16.Ta1 h6 17.Sh3?! Dd8?! 18.Lc4 a5 19.Df3 La8 20.b3 Tb7? Mephisto III Special findet keinen Plan, verbarrikadiert seinen eigenen Läufer 21.d4? [21.Dg3! Kh8] 21...exd4 22.cxd4 De8? 23.Lxh6! Sxd4 24.Dg3 Sh5 25.Dg6!? De5?? [25...d5! 26.Dxh5 dxc4 27.Dg4 De5 28.Txa5±] 26.Sg5 Sf3+ 27.gxf3 Tfb8? 28.Dxf7+ Kh8 29.Dg6 Dxg5+ 30.Lxg5 Sf4 31.Lxf4 Tb5 32.Lxb5 a4 33.Lc4 d5 34.Le5 dxc4 35.Dxg7# 1–0



 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen