Mittwoch, 3. April 2013

Master Chess Trio - Gruenfeld/Morphy/Capablanca

Das Master Chess Trio
Die Großmeister bitten zum Spiel! Bereits der erste Schachcomputer der Fa. Chafitz, kokettierte durch die Namensgebung "BORIS" mit dem GM und Ex-Weltmeister Boris Spassky. Die Nachfolgefirma Applied Concepts hatte dann 1981 die Idee ihre neuen Schachmodule für das Modular Game System (kurz MGS) nach bekannten Meistern der Schachgeschichte zu benennen.

Übergang zum Endspiel
Morphy Edition Master Chess: Den Anfang machte die Morphy Edition, benannt nach Paul Morphy, dem zeitweise stärksten Schachspieler im 19. Jahrhundert. In der englischen Anleitung wird dieser mit einem kurzen schachhistorischen Lebenslauf vorgestellt, was dem Käufer wohl suggerieren sollte ein sehr spielstarkes Produkt erworben zu haben. Immerhin zählte das Modul 1981 zu den stärksten auf dem Markt. Hierzu gibt es es Anekdote: Bei der 11. Nordamerikanischen Computermeisterschaft (ACM 1980) gab es einen Streit zwischen den Programmierern des Vorgängers Sargon 2.5 - dem Ehepaar Spracklen - und dem Programmierer des späteren Morphy Moduls - John Aker. Diesem wurde vorgeworfen lediglich kleine Veränderungen an Sargon vorgenommen zu haben, weshalb ihm die Teilnahme am Turnier verweigert wurde.

"But Boris X, despite registered, finally did not play the ACM 1980. Kathe Spracklen had filed a protest, claiming Boris X is too similar to Sargon 2.5, and requested mutual comparison of the source code. After John Aker admitted that Boris X was a revamped Sargon 2.5, Boris was rejected" (Link: ChessProgramming WIKI)

In der Tat liegen Sargon 2.5 und Morphy auch in der aktuellen Aktivschach-Liste bei schachcomputer.info nah beieinander (1408 zu 1444 ELO). Eine genauere Analyse des Spielverhaltens müsste aber noch geprüft werden.

Die Morphy Edition kam zunächst als Universal Modul heraus, erst später produzierte Applied Concepts die Zusatzmodule für Eröffnung und Endspiel.


END OF BOOK
Gruenfeld Edition Master Chess Openings: In Zusammenarbeit mit dem FIDE Master John Jacobs entstand dieses Modul, benannt nach dem österreichischen Großmeister Ernst Grünfeld. Mit ca. 3000 gespeicherten Eröffnungszügen war man der Konkurrenz zu der Zeit weit voraus. Das erweiterte Modul Gruenfeld-S hatte sogar eine Bibliothek mit 7000 Zügen. Erst Fidelity mit den Eröffnungsmodulen CB9 und CB16 konnte hier Paroli bieten.

Wie nutzt man nun das Gruenfeld Modul? Ganz einfach: Man beginnt die Partie mit dem Gruenfeld oder Gruenfeld-S Modul und die Züge werden sofort aus der Bibliothek gespielt. Sobald kein Zug mehr gespeichert ist, erfolgt die Anzeige "END OF BOOK" im Display. Bei weiteren Tastenbetätigungen auch "MIDGAME". Der Wechsel auf das nächste Schachmodul (Morphy/Sandy, Sargon 2.5 oder sogar Steinitz) geht wie folgt:

1. RANK Taste drücken
2. Schalter von ON auf MEM
3. Modul wechseln
4. Schalter von MEM auf ON

Die gespeicherten Eröffnungsvarianten sind sehr breit angelegt -u.a. Gambits und Flankeneröffnungen - dafür enden viele bereits nach wenigen Zügen. Ein Tipp zur Unterscheidung der beiden optisch gleichen Module: Nur das Gruenfeld-S kennt auch Antworten auf Albins Gegengambit (mit Weiss) und Blackmar-Diemer (mit Schwarz).
MGS mit Capablanca und Stellungsbewertung

Capablanca Edition Master Chess Endgame: Der große Endspielkünstler und Schachweltmeister Jose Raul Capablanca stand hier Pate. Wahrscheinlich würde er sich im Grabe umdrehen, angesichts der Fähigkeiten seiner Computerausgabe. Was es dabei aber zu bedenken gilt: Bis in die 90er Jahre war das Endspiel die große Schwäche von Schachcomputer. Erst durch den Einsatz von Hash Tables konnte dies erheblich verbessert werden. Nichtsdestotrotz ist das Capablanca Endspiel Modul im Jahr 1981 eine Besonderheit. Es ist das erste Mal, dass ein Hersteller sich dem Thema Endspiel annimmt. Gerade die verbesserte S-Version ist zu empfehlen. So beherrscht es die Opposition/Fernopposition, die Mattführung mit Läufer+Springer in Ansätzen und ist durch die Anzeige von Suchtiefe, Stellungsbewertung und Hauptvariante auch komfortabler in der Bedienung als sein Vorgänger.

Theoretisch spielt das Capablanca Modul auch direkt im Anschluss an das Gruenfeld Modul - quasi als Mittel- und Endspielmodul. Hier müssen Tests zeigen, wie es diese Partiephase beherrscht. In der Regel wird es allerdings erst im Übergang zum Endspiel genutzt. Während das Morphy/Sandy Modul den Wechsel selbstständig durch einen Punkt im Display anzeigt (siehe Foto unter Morphy), entscheidet dies der Bediener beim Sargon 2.5 nach eigenem Gusto. Nach meiner Erfahrung kann man das Capablanca schon zwischen dem 25-30 Spielzug einsetzen, entgegen der Empfehlung der Herstellers.

Für kurze Zeit konnte Applied Concepts durch die verschiedenen Module die
Wettbewerbsfähigkeit erhalten, doch der Zahn der Zeit nagte an dem Konzept. Sensor- und Magnetbretter waren gefragter und auch in der Spielstärke verlor man zusehens den Anschluss. Mit der Steinitz Edition versuchte man verlorenes Terrain zurückzuerobern, aber die Tage der Firma waren gezählt.

Zwei schöne Partiebeispiele vom Master Chess Trio stammen aus meinem Oldie-Turnier "Die Klasse von 1984":

Master Chess Trio S-Mephisto Mirage 1:0
SciSys Turbostar KSO-Master Chess Trio S

Freitag, 29. März 2013

B & B = Brikett + Brett

Wir schreiben das Jahr 1980. Der Markt für Schachcomputer steigt rasant und bringt den Produzenten aus USA und Hongkong fette Gewinne, da meldet sich plötzlich eine kleine Technikschmiede aus Deutschland mit einem schwarzen Kasten und rotem Schriftzug - der Mephisto I alias "Brikett" ist geboren.

Gerade in Europa erzielte dieser kleine schwarze Kasten einen ungewöhnlich erfolgreichen Einstand und setzte sich direkt an die Spitze der Verkaufszahlen, begleitet von einem professionellen Marketing. Erste Furore machte er beim Turnier Micro 80 in Stockholm, wo er den 1. Platz belegte.

Schon frühzeitig erkannte man bei Hegener + Glaser, dass ihrem Produkt etwas fehlt: ein passendes Brett! So produzierte man eine Luxusausführung des Mephisto I in einer schönen weinroten Lederschatulle.

Ende 1981 kam der stark verbesserte Nachfolger Mephisto II auf den Markt, äußerlich nur durch einen zweiten Schaltknopf zu erkennen. Ursprünglich sollte dieser an der 2. Microcomputer Weltmeisterschaft in der kommerziellen Gruppe teilnehmen, aufgrund Kontroversen mit der Turnierleitung (bemängelt wurde der zu späte Produktionsbeginn im November nach der WM) zog Hegener + Glaser seine Meldung komplett zurück.

ESB = Elektronisches Schach Brett
Technisch konzentrierte man sich nun auf die Entwicklung von Sensorbrettern und mit dem ESB II (später ESB 6000) hatte man endlich ein turniergroßes Magnetsensorbrett im Programm. Das Schachprogramm des Mephisto ESB befand sich seitlich untergebracht, in den ersten Modellen fest verdrahtet, später einfach mit einem Flachbandkabel verbunden. Die Optik der ESB-Bretter wurde, in leicht abgewandelter Form, auch für die Serien München, Bavaria und Turniermaschinen beibehalten.

Wem die Holzbretter zu groß waren, der konnte sich das kleinere ESB 3000 zulegen. Unverkennbar ist hier das spätere Mephisto Modular vorweggenommen.


Mephisto III im Koffer
Mit dem Mephisto III ging Hegener + Glaser, resp. die Programmierer Nitsche & Henne, einen riskanteren Weg. Noch selektiver in der Suche, minimaler Brute-Force Sockel und nur 1-2 Stellungen pro Sekunde. Das Ziel war eine möglichst menschenähnliche Spielweise. So etwas gab es vorher nicht und wurde auch danach in dieser radikalen Art nicht mehr versucht. Genau aus diesem Grund sind der Mephisto III Brikett und seine Artverwandten 16-Bitter (Excalibur,  Mephisto III Glasgow) heutzutage sehr gefragt und geradezu Kultgeräte. Doch der riskante, manchmal mit taktischen Aussetzern gespickte Spielstil, brachte anno 1983 nicht den gewünschten Erfolg. Vielmehr kritisierten viele Käufer die mangelnde Spielstärke im Schnellschach und so waren die Tage der "Briketts" gezählt.



Donnerstag, 22. November 2012

Remote Control Systems: RCS Granit/Granit S

RCS Granit S ©Steve Blincoe
Die Geschichte der Firma RCS (Remote Control Systems) ist untrennbar verbunden mit dem Namen Peter Reckwitz. Bis Mitte der 80er als Geschäftsführer von Fidelity Deutschland tätig - siehe auch der Artikel zum Playmatic - spezialisierte er sich mit RCS auf ein Tuning von Schachcomputern. Meist handelte es sich dabei um den Fidelity Elite oder Prestige, doch ab Anfang 1986 gab es den ersten in Eigenregie vermarkteten Schachcomputer: Den RCS Granit für 749 DM.


Granit-Prototyp aus
Schachcomputer Edition 21

Als Gehäuse wurden Restexemplare des Playmatic S verwendet und mit einem 6,5 MHz Excellence-Programm bestückt. Erste Prototypen liefen mit 5,5 Mhz in einem ultraflachen Kunststoffbrett, ähnlich dem Elite Privat. Der holländische Supertester Jan Louwman prüfte den Granit auch direkt auf Herz und Nieren - siehe Tabelle 1 unten.

Die einzige komplette Partie, die mir vom Granit vorliegt, stammt aus dem 1. AEGON-Turnier 1986, 3. Runde gegen einen ELO 2000-Spieler.

Stellung vor 19.Lxh7+
A. Münninghoff - RCS Granit
1.c4 Sf6 2.Sc3 e6 3.e4 d5 4.e5 d4 5.exf6 dxc3 6.bxc3 Dxf6 7.d4 c5 8.Sf3 cxd4 9.Lg5 Df5 10.Ld3 Da5 11.0–0 Sc6 12.cxd4 Sxd4 13.Lf4 Lc5 14.Le5 Sxf3+ 15.Dxf3 0–0 16.Tab1? Lxf2+ 17.Txf2 Dxe5 18.Tb5 Dc7 19.Lxh7+! Kxh7 20.Th5+ Kg8 21.Dh3 f5 22.Th8+? [22.Th7 Kf7 23.Dh5+ Kf6 24.Dh4+ Dauerschach] 22...Kf7 23.Dh5+ Ke7 24.Dg5+ Ke8 25.Th7 Tg8 26.Td2 Db6+? 27.Kf1 Kf7 28.Dh5+ Kf6 29.Dh4+ g5 30.Th6+ Tg6 31.Dh5 Db1+ 32.Kf2 f4 33.Th8 Db6+ 34.Kf1 Dc5 35.Thd8 Dxc4+ 36.Kf2 Dc5+ 37.Kf1 Db5+ 38.Kf2 Db6+ 39.Kf1 Dc5 40.Dh8+ Kf5? [40...Tg7 41.Tg8 Dc4+ mit Dauerschach] 41.Dh3+? [41.Tf8+ Dxf8 42.Dxf8+ Tf6 43.Dc5++-] 41...g4? RCS Granit will kein Remis 42.Dh5+ Tg5 43.Df7+ Ke4 44.Te2+ De3 45.Txe3+ 1:0


56...Kg6? verliert
Bereits im Sommer 86 kam der Nachfolger - kurz RCS Granit S benannt, versehen mit dem stärkeren Par Excellence-Programm und in ein Sensory 12 B Gehäuse verpackt; wiederum mit 8 MHz. Auch hier lieferte Jan Louwman schnell Ergebnisse - siehe Tabelle 2 unten. Das Turnierdebüt im Porz Open 1986 war denkbar schlecht für den RCS Granit S; nur 2,5 Punkte aus 7 Spielen. In der Partie gegen Reuter wirft der RCS Granit S ein Remis im Endspiel weg. Statt 56...Kf6 oder Kh6 spielt er Kg6?, damit ist die Opposition dahin.

Dies offenbarte auch gleich das Dilemma: Die getunte Kiste konnte zwar gegen die stärksten Schachcomputer mithalten, mehr aber auch nicht. Zudem bot die Konkurrenz in punkto Ausstattung wesentlich mehr Komfort und vor allem ein Display. So verschwand der Granit (S) schnell in der Versenkung und es dürften nur sehr wenige Geräte im Umlauf sein.


aus CSS 5/1986
Ende 1986 unternahm Reckwitz nochmals einen Versuch seine Fa. RCS als "Tuning-Spezialist" zu positionieren, in Zusammenarbeit mit der Fa. HCC. Dies zur Verwunderung vieler aus der Szene, da seit dem Disput während der WMCCC 1983 Budapest das gespannte Verhältnis zwischen P. Reckwitz und O. Weiner bekannt war. Ein detaillierter Artikel hierzu findet sich in der CSS 1/1984.

Neben Tunings für Fidelity Schachcomputer, findet man in der nebenstehenden Anzeige aus CSS 5/1986 auch Angebote für schnellere Mephistos.

Danach wurde es ruhig um die Mülheimer Hardware-Schmiede. Mit einer traurigen Meldung in CSS 4/1989 endete das Kapitel: Peter Reckwitz ist am 15. Juni 1989 bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt.



Tabelle 1: RCS Granit




 






Donnerstag, 8. November 2012

Der futuristische Mark V

"Einer wie keiner", das fällt mir spontan zum SciSys Mark V ein. Erschienen 1981 war bereits sein äußeres Erscheinungsbild aus dem Rahmen fallend. Mit seinen klaren, strengen Formen wirkte er ganz reduziert und minimalistisch, im Gegensatz zu vielen anderen Schachcomputern, die eher mit Opulenz und Größe punkten wollten. Das eingebaute, hintergrundbeleuchtete LCD-Schachbrett des Mark V war zu dem Zeitpunkt einmalig. Alle Züge werden auf diesem per Cursor oder über Koordinaten eingegeben und zusätzlich auf einer Kommentarzeile unterhalb angezeigt.

Doch nicht nur das, der Mark V bietet eine Vielzahl von Informationen und Features.
  • Stellungsbewertung mit Hauptvariante (2 Züge)
  • Anzeige von Matt in ...
  • Remis in allen Varianten (Stellungswiederholung, 50 Züge-Regel, Patt)
  • Selbstständiges Remisangebot und Partieaufgabe
  • Partiewiederholung
  • Schachuhr
  • Kommentare wie "einziger Zug" oder "erzwungen"
  • Simultanspiel bis zu 12 Partien
  • Problemstufe mit Überprüfung von Nebenlösungen
Gerade die Möglichkeit Schachprobleme nach Nebenlösungen zu überprüfen, machte den Mark V bei Problemkomponisten sehr populär - über Jahre hinweg. Das Simultanspiel hingegen krankt daran, dass nicht alle Partien gleichzeitig vom Computer berechnet werden, sondern immer nur die im Display aufgerufene Stellung. Später wurde diese Funktion auch im Saitek Simultano implementiert.

Richtig bekannt geworden ist der Mark V natürlich durch seinen Sieg in der kommerziellen Gruppe der WMCCC 1981 in Travemünde. Einen sehr schönen Bericht zu den Hintergründen dieser WM gibt es bei Hein Veldhuis in der Rubrik History/Geschichte.

Zum Spielstil: Bedingt durch eine sehr selektive Suche, ist der Mark V taktisch sehr anfällig. Das macht sich besonders bei kurzen Bedenkzeiten bemerkbar. Während viele andere selektive Schachprogramme einen eher ruhigen, positionellen Spielstil pflegen, habe ich mit dem Mark V gegenteilige Erfahrungen gemacht. Er liebt geradezu Verwicklungen und komplizierte Stellungen - die er leider häufig in den Sand setzt. Auch die Eröffnungsbibliothek ist sehr ungewöhnlich. So spielt er gegen Sizilianisch auschließlich Nebenvarianten wie 2. b3 oder Sc3. Mitunter wird auch mal ein Budapester Gambit eingestreut, während er eine bekannte Eröffnung wie Italienisch gar nicht kennt.

Hier sind Partien aus dem U1600-Turnier auf schachcomputer.info:

Partie 1: SciSys Superstar 28K-SciSys Mark V 0:1 Eine echte Überraschung!
Partie 2: SciSys Mark V-Novag Mentor 0:1
Partie 3: Mephisto MM I-SciSys Mark V 1:0
Partie 4: SciSys Mark V-Fidelity Elite Travemünde 0:1
Partie 5: Saitek Team Mate-SciSys Mark V 1:0
Partie 6: SciSys Mark V-Fidelity Sensory 9 0:1
Partie 7: Morphy Master Chess 4MHz-SciSys Mark V 1:0
Partie 8: SciSys Mark V-Sargon ARB 3.0 0:1
Partie 9: Mephisto Mirage-SciSys Mark V 1/2
Partie 10: Scisys Mark V-Mephisto III 0:1

Damit am Ende der erwartete letzte Platz. In vielen Partien war es lange Zeit spannend (z.B. gegen den Elite Travemünde), doch grobe Schnitzer verhinderten eine bessere Punktausbeute. Das Nachfolgemodul Mark VI/Philidor, auf das man geschlagene zwei Jahre warten musste, war nur unwesentlich verbessert worden und lief auf der gleichen - damals schon betagten - Hardware. Das Bedienkonzept wurde von SciSys zugunsten von Schachcomputern mit Sensorbrett verworfen.

Freitag, 2. November 2012

Vom Mephisto Roma zum Glasgow

"Wieviel Eproms hätten's denn gern?", wäre wohl die Einstiegsfrage, wenn man sich auf den Weg vom Roma zum Glasgow machen möchte. Die Antwort kann nur lauten: VIER!

Der Hintergrund ist einfach: Beim Erscheinen des ersten 16-Bit-Moduls von Mephisto, dem Mephisto III-S Glasgow, wurde die Platinenarchitektur noch mit 4 Eproms versehen. Erst ab dem Mephisto Amsterdam hat H&G umgestellt auf eine neue Platine mit lediglich 2 Eproms. Äußerlich sind diese Versionen ebenfalls gut zu unterscheiden.


4-Eprom Roma/Glasgow
a) Das Tastaturmodul - Bei der älteren 4-Eprom Version sind zwei Tasten unbelegt und eingeschwärzt. Die 2-Eprom-Version hat das später typische Design mit den beiden RES-Tasten.

2-Eprom Amsterdam
b) Das Programmmodul - Auf der 2-Eprom Version befindet sich noch eine weitere Netzbuchse. Da Mephisto den Amsterdam (wie alle späteren Module) auch ohne Spielbrett angeboten hatte, wollte man so mögliche Spannungsprobleme in den verschiedenen Brettern umgehen.

Ansonsten ist die Hardware identisch. Man konnte damals - anno 1985/86 - seinen Glasgow einsenden und diesen auf das stärkere WM Programm Amsterdam "upgraden", was auch viele Kunden umgesetzt haben. Dadurch ist das Original Glasgow-Modul heute zu einem seltenen Sammlerstück geworden.

Seit einiger Zeit habe ich einen Mephisto Roma 16-Bit in meiner Sammlung. Eigentlich nichts besonderes, denn den Roma 68000 gibt es immer noch zuhauf. Doch wenn man sich das Foto betrachtet fällt sofort auf: Es handelt sich um eine 4-Eprom-Version. In dieser Form sicher selten. Was lag näher, als dieses Stück wieder mit seinem Urspungsprogramm zu bestücken. Back to the roots! Dank der Hilfe eines Freundes hat alles vorzüglich geklappt. Der Roma erkennt den "falschen" Glasgow. Lediglich für die WM-Plakette muss ich mir noch etwas überlegen.

Und erste Erfolge zeigen sich bereits. Hier ein Duell der Großkopferten von 1984:

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Der "helle" Playmatic S


"Made in Germany" steht auf dem Aufkleber, der sich auf der Rückseite des Fidelity Playmatic befindet. Wieso das? Die Firma Fidelity Electronics hat doch bekanntermaßen in den USA produziert.

Ja natürlich, aber zwischen 1983-1985 wurden ein paar feine Schachcomputer in geringen Stückzahlen von der Fidelity Deutschlandvertretung hergestellt. Hintergrund war der in dieser Zeit sehr hohe Dollarkurs, der die Preise der Fidelity-Geräte in Deutschland in die Höhe schnellen ließ und die Verkaufszahlen nach unten drückte. So kam man auf die findige Idee eine eigene Produktlinie für Europa auf den Markt zu bringen, wobei die Software weiterhin von den Spracklens gestellt wurde.


Das erste Modell "Made in Germany" war der Playmatic S. Im Grunde ein "gepimpter" Sensory 9 mit doppelter Geschwindigkeit und dem Komfort eines fast turniergroßen Holzbretts mit Magnetsensoren - alles zu einem Kampfpreis von 900 DM. Gespart wurde dafür bei der Verarbeitung. Die Beschriftung der Felder und Bedientasten sind nur aufgeklebt und auch beim Holz hat man wohl alles genommen, was einem gerade in die Finger kam. Während die meisten Playmatic dunkel lackiert sind, handelt es sich bei diesem Stück um ein auffallend helles Holz. Fast gänzlich unbehandelt kommt es daher; roh und naturbelassen. Auch die LEDs sind eher klein und dezent gehalten (im Gegensatz zu Elite und Prestige), das Brettdesign sehr flach. Mir gefällts! Einen schönen Artikel zum Playmatic findet man in der Datenbank von Hein Veldhuis. Hier sieht man auch die Entwicklung des Designs anhand der Werbeprospekte.

Leider hat Fidelity Deutschland nur noch einen zweiten Schachcomputer zur Serienreife gebracht - den Elite Privat. Auch hier wurde das Prinzip der ständigen Veränderung beibehalten. Anfangs noch in Lederausführung (Prototyp) geplant, später aber in Holz realisiert. Brett und Unit getrennt und mit einem Flachbandkabel verbunden - viele Jahre später wurde diese Idee beim Tasc R30 wieder aufgegriffen. Mal mit Holzdekor beklebt, mal schwarzes oder rotes Gehäuse, mit einfachem oder doppelten Display versehen. So ist heute fast jedes der seltenen Stücke ein Unikat.

Donnerstag, 13. September 2012

Conchess T8 - der mächtige Monarch!

Lange schlummerten die Conchess Modelle Escorter - Ambassador - Monarch im Dornröschenschlaf, denn die allermeisten sind mit dem 2Mhz-Modul aus 1982 bestückt, welches doch etwas schwach auf der Brust ist. Aus diesem Grund waren die Conchess Geräte nicht sonderlich begehrt. Es wurden zwar stärkere Module in der kurzen Schaffensphase dieser Firma verkauft, allerdings in solch geringen Stückzahlen, dass man diese heute mit der Lupe suchen muss.


Der Weckruf kam aus England! Der bekannte Hardwaretechniker Steve B. hatte es geschafft neue Platinen mit der Originalsoftware von Ulf Rathsman nachzubauen.
  •  Modul S5 = Speed mit 5 MHz. Das Glasgow-Programm von 1984.
  •  Modul T8 = Topspeed mit 8MHz. Die Krönung der Conchess-Familie von der WM 1985 in Amsterdam.
Also schnell eine alte Kassette mit einer neuen Platine bestücken, schon darf der mächtige Monarch sein Können zeigen. Hier eine Partie, in der der T8 seine taktische Stärke ausspielen kann:

-- partie folgt --

Einen Härtetest erfahren diese Module zurzeit im Online-Oldie-Turnier 2012 bei der Community von schachcomputer.info.

Optisch macht der Monarch natürlich am meisten her. Mit seiner flachen Bauweise und Turnierbrettgröße wirkt er annähernd wie ein normales Schachbrett. Ich habe mich schon häufiger dabei erwischt es für eigene Spiele und Analysen "missbraucht" zu haben. Die Bedienung aller Conchess ist gewöhnungsbedürftig und anfangs wird die Anleitung desöfteren konsultiert. Nach Anwahl der Taste "?" werden die beiden ersten Züge der berechneten Hauptvariante auf dem Feld angezeigt, jedoch nicht gemütlich blinkend - wie ich es von anderen Herstellern kenne - sondern mit hektisch flackernden LEDs. Topspeed eben! Ganz nebenbei gibt der Monarch seitlich auch die aktuelle Rechentiefe an. Ein weiteres Gimmick zeigt sich über die Taste "§", wonach alle Zugmöglichkeiten einer ausgewählten Figur auf dem Brett aufleuchten.

Wer Gefallen an den Programmen von Ulf Rathsman gefunden hat, kann auch bei Mephisto zuschlagen. Die Module Blitz & Problem und MM II sind weitestgehend identisch mit den oben angeführten Conchess Modulen, nur die Geschwindigkeit fehlt. Die Mephistos sind lediglich mit 3,7MHz getaktet.